Auf einen Blick

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  • ‚Climate Change in 10 Words‘-Kurzformel: „It’s real, it’s us, it’s bad; experts agree, there’s hope!“ (Anthony Leiserowitz, zu Deutsch: „Der Klimawandel ist erwiesen und menschengemacht, hat gravierende Risiken, CO2 ist die Ursache, wir können etwas tun!“)      
  • Die Zivilisation und die Lebensgrundlagen der Menschheit sind existenziell gefährdet. „Wir müssen nicht ‚das Klima‘ retten – sondern uns!“ (Eckart von Hirschhausen) – durch die Bewahrung der planetaren Grenzen.
  • Wir sind nicht die Herrscher der Erde, wir unterliegen den Gesetzen der Natur, wir sind Teil der Erde: Wir sind Erde.
  • Wir haben – endlich – anzuerkennen, dass die Natur nicht mit sich handeln lässt. Übrigens: Die Natur kennt uns gar nicht. (Harald Lesch)
  • Wir haben uns künftig als Gast der Oase ‚Erde‘ zu begreifen – denn, was macht man mit Gästen, die sich dauerhaft nicht angemessen benehmen? Man schmeißt sie raus. (vgl. Pierre Rabhi)
  • Das Leben, wie wir Bewohner*innen der Industrienationen es bisher kannten, ist zu Ende. Nur haben das Viele noch nicht erkannt.
  • Ein Grundproblem ist, dass die meisten Menschen ihren Luxus als ‚normal‘ ansehen. Aber: ‚Normal‘ kann nur sein, was den Planeten nicht an die Wand fährt.
  • Die Zeit läuft: Um soziale Härten zu vermeiden bedarf es nicht weniger Klimaschutz, sondern mehr. Sozialverträglichkeit schließt Generationengerechtigkeit ein. Generationengerechtigkeit schlägt Besitzstandswahrung.
  • Die Menschheit, jede Nation, jeder Mensch hat ein eindeutiges CO2-Budget. Klimaneutralität ist in D nach Rahmstorf bis 2035 erforderlich, gemäß dem Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) bis spätestens 2037.
  • Pro-Kopf-CO2-Budget in D bis 2050: 2,3t CO2 pro Jahr. Unser durchschnittlicher Pro-Kopf-CO2-Ausstoß pro Jahr: 11,6t. Das bedeutet, dass jede*r von uns ihr/sein Budget schon überschritten hat, ohne geflogen zu sein. Mallorca pro Person Hin/Rück = 0,7t CO2 = ca. 1/3 unseres Budgets. Essen? Heizen? Kleidung? Laptop?
  • Klimaschutz ist ein Menschenrecht. Letztlich gibt es nur eine robuste und moralisch vertretbare Form der Klimagerechtigkeit: Jede*r Erdenbürger*in hat exakt den gleichen Anspruch auf die Belastung der Atmosphäre. Und das sind eben bis 2050 2,3 t CO2 pro Jahr. (vgl. Rahmstorf/Schellnhuber)
  • Ohne Veränderungen ist das verbleibende Menschheits-CO2-Budget in 7 Jahren erschöpft = 2.555 Lebenstage = ca. 1.300 politische Arbeitstage (Stand 1/2021).
  • Derzeit global +1,1 °C u. 47% mehr CO2 in der Atmosphäre als vor der Industrialisierung. Das Pariser Abkommen besagt „deutlich unter 2 Grad; möglichst 1,5 °C“. Der Weltklimarat dringt unbedingt auf die Einhaltung des 1,5°-Ziels. Wenn die Staaten ihre bisherigen Zusagen einhalten, sind wir auf einem 3-bis-4-Grad-Pfad bis 2100. Schon 1,1° reichen, um global z.B. immense Waldbrände auszulösen. Was ist dann bei +2, +3, +4° los?
  • Wesentliche Kipppunkte: ‚Ewiges‘ Eis | Permafrost | Regenwälder | Golfstrom | Jetstream | Korallenriffe. Alles ist mit allem verbunden: Kipppunkte lösen Kipppunkte aus.
  • Allgemein gilt: Klimatolog*innen und Weltklimarat untertreiben tendenziell – wenn sie sich aufgrund neuer Forschung korrigieren müssen, dann immer in die gleiche Richtung: Es ist noch dramatischer als bisher angenommen. Es ist daher erst recht keine Zeit zu verlieren.
  • Jedes Wettergeschehen – ein Hurrikan genauso wie ein leichter Sommerregen – findet heute unter anderen Umweltbedingungen statt als noch vor 250 Jahren.
  • Höhere Temperatur = Mehr Energie (Kraft) im Gesamtsystem.
  • EU-28 ist weltweit drittgrößter CO2-Verursacher pro Jahr | Innerhalb der EU ist Deutschland stärkster CO2-Emittent, weltweit auf Platz 6 | Bei den historisch aufsummierten Gesamtemissionen D = Platz 4 | D = viertstärkste Wirtschaftsnation | Anteil an Weltbevölkerung = 1,1% | Anteil an jährlichen globalen CO2-Emissionen = 2,1%, d.h. das doppelte dessen, was D ‚zusteht‘. D kauft viele Produkte, die anderswo CO2-intensiv produziert werden, das sind etwa 17%, die eigentlich D angerechnet werden müssten. Die entscheidende Frage lautet: Welche Nation sollte sich anstrengen, wenn nicht mal D seine Klimaziele ernst nimmt?
  • ‚Kohlekompromiss‘ und ‚Klimapaket‘ reichen für das 1,5°-Ziel nicht aus. Mojib Latif: „Mit diesen Maßnahmen leisten wir dem Klima viel eher Sterbehilfe.“ – So zu tun, als ob man Klimaschutz betreibe, ist gefährlich, weil dann viele Menschen glauben könnten, die ergriffenen Mini-Maßnahmen reichten aus. Sie reichen nicht. Nicht mal annähernd. Radikal sind nicht die geforderten Veränderungen. Radikal ist, so weiterzumachen wie bisher.
  • Wir Bürger*innen der Industrienationen leben massiv auf Kosten des Globalen Südens und der künftigen Generationen. Die althergebrachten (neo-)kolonialen Strukturen bestehen nach wie vor. Und auch Sklav*innen gibt es faktisch immer noch. Jede*r von uns hat welche.
  • Unser gesamtes westliches Leben ist auf Ausbeutung aufgebaut. Täglich arbeiten 218 Mio Kinder auf Plantagen, Untertage u. in Fabriken für Kakao, Palm, Bananen, Kaffee, seltene Erden, Bekleidung sowie auf Müllhalden etc. pp.
  • Der Globale Süden wird beim Klimaschutz nur mitziehen, wenn er davon profitiert: Nur eine globale Klimagerechtigkeit führt relevant zu Klima- und Umweltschutz.
  • Wir haben den Überfluss, der uns nie zugestanden hat, loszulassen, um die Chance zu wahren, einen grundlegenden Wohlstand zu erhalten.
  • Was ich nie besessen habe, kann mir auch nicht weggenommen werden… Das bedeutet übertragen auf die Klimakrise: Man kann nicht auf etwas verzichten müssen, was einem nie zugestanden hat.
  • Genügsamkeit ist die positive Seite des Verzichts. LebeLieberLangsam.
  • Wir haben die Erde von unseren Kindern und Enkel*innen nur geliehen. Es liegt in unserer Hand! Wir Erwachsenen sind gemeinsam die letzten Generationen, die es in der Hand haben, die ganz große Katastrophe zu verhindern.
  • Krisen verstärken ohnehin bestehende strukturelle Ungleichheiten. Im Katastrophenfall trifft es immer die Armen zuerst. In Deutschland und global.
  • Wir sind derzeit dabei, uns – klimatisch gesehen – ins Dinosaurierzeitalter zurückzufeuern.
  • Den Ökos bzw. den Grünen wird nachgesagt, wenn es nach ihnen ginge, lebten wir alle wieder in Baumhäusern. Es ist genau umgekehrt: Die Grünen sind z.Z. die einzige (parlamentarisch relevante) Partei, die (ein bisschen!) daran arbeitet, dass unsere Nachfahren – um im Bild zu bleiben – nicht wieder in Baumhäusern leben müssen.
  • Das gleiche gilt für die sog ‚Ökodiktatur‘: Nur wenn wir jetzt z.B. über Ordnungsrechte den Überfluss begrenzen, haben wir die Möglichkeit, die Demokratie stabil zu halten: Wenn sich eines Tages Katastrophe an Katastrophe reihen sollte, wird das nicht mehr der Fall sein. Klimaschutz bedeutet Schutz des Rechtsstaats und der Demokratie.
  • „Klimawandel ist keine Krankheit wie Diabetes, mit der man leben kann; er gleicht eher einem Tumor, den man entfernen muss, bevor er Metastasen bildet“ (=Kipppunkte in Gang setzt). (Jonathan Safran Foer)
  • Es bedarf einer ‚Kultur des Genug‘. Im Namen der Freiheit brauchen wir: Grenzen. Wir brauchen, wie beim Rauchverbot, bei der Gurtpflicht und dem weltweiten FCKW-Verbot eine Politik, die Verantwortung übernimmt und die uns in der Klimakrise und mitten im sechsten Massenaussterben vor uns selber schützt.
  • „Fleischessen und Urlaubsflüge haben … nichts mehr mit persönlicher Freiheit zu tun. Wir dürfen nicht die Freiheit haben, die Welt zu ruinieren, Millionen Menschen verhungern zu lassen und 21 Hühner pro Quadratmeter zu halten.“ (Hagen Rether)
  • Es bedarf einer alle Lebensbereiche umwälzenden sozial-ökologischen Transformation, die das Gemeinwohl und eine Annäherung der Lebensverhältnisse in das Zentrum politischen Handelns stellt. Eine so umfassende Reform benötigt die institutionalisierte Beteiligung der Zivilgesellschaft und der Bürger*innenteilhabe. Das BIP (Bruttoinlandsprodukt) ist kein geeignetes Messinstrument zur Beurteilung des Zustandes eines Wirtschaftsraumes und z.B. durch eine Gemeinwohlbilanz oder eine Wellbeing Economy zu ersetzen.
  • Fridays for Future fordert nur ein, was Deutschland in Paris unterschrieben hat. Greta Thunberg & Co sagen nichts weiter als: „Hört auf die Wissenschaftler*innen und den Weltklimarat.“
  • Die Aggressionen gegen die Greta Thunbergs dieser Welt sind auch deshalb so heftig, weil sie recht haben. Es sind zudem Rückzugsgefechte des Patriarchats.
  • Die Klimakrise ist maßgeblich durch eine von männlichen Dynamiken beherrschte Welt entstanden. Wir brauchen Parität – die gleiche Repräsentanz von Frauen und Männern in allen wichtigen Gremien. So entstehen andere Dynamiken, die zu besseren Entscheidungen führen (können).
  • „Sei du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.“ (Mahatma Gandhi)
  • ‚Selbstwirksamkeit‘ und ‚Ehrfurcht vor dem Leben‘ können gegen Klimafrust helfen.
  • „Was kann Ich tun?“ – Sieben Dinge:

Reiseverhalten ändern. | Mobilitätsverhalten ändern. | Stromanbieter wechseln. | Zu einer Ökobank wechseln. | Rindfleisch vom Speiseplan verbannen oder Vegetarier*in/Veganer*in werden. | Saisonal, regional und Bio einkaufen – keine Lebensmittel wegschmeißen, dann bleibt im Portemonnaie genauso viel übrig wie vorher. Bio stärkt die bodenerhaltende Agrarkultur. | Reduzieren. Rebound-Effekte meiden. Keep it simple. Zeitwohlstand statt Konsum.
Aber vor allem: Multiplikator werden: Selbstwirksamkeit leben durch politisches Engagement. In Gemeinschaft. Entsprechend der eigenen Stärken, Bedürfnisse und Möglichkeiten.

  • Die Zeit des ‚Aberns‘ ist vorbei: Entlarve Ersatzdebatten und setze Deine Themen.
  • Es ist nicht weniger als das Geschäftsmodell der größten Industrie der Welt zu zerstören. „It’s up to five times as much as the entire carbon budget for the earth. If we let them digg it all up, we’re cooked. If it stays in the ground, we have a chance“ (Naomi Klein). Die fossile Industrie zahlt derzeit den Kampf gegen Klimaschutz aus der Portokasse.
  • Für die Durchsetzung einer politischen Agenda benötigt man nicht unbedingt die aktive Mehrheit der Bevölkerung: Die Aktivierung von 3,5% der Bevölkerung reicht aus, um relevante politische Veränderungen herbeizuführen.
  • Die 4F meiden: Fliegen, Fleisch, Finanzen und Fummel. Wir rechtfertigen uns alle gegenseitig. Aber: Wenn drei von fünf Freunden nicht mehr begeistert sind, das der gemeinsame Freund zum Shoppen nach New York fliegt, sieht es schon anders aus, daher: Anecken!
  • Fliegen ist die klimaschädlichste Art sich fortzubewegen. Ein paar wenige Privilegierte fliegen das Klima kaputt. Flugreisen machen in Europa 13,5% der CO2-Emissionen aus.
  • Kreuzfahrten sind der ökologische Doppelschlag, weil zumeist Zubringerflüge erforderlich sind. Auch ethisch sind Kreuzfahrten extrem problematisch.
  • Entscheidend für den CO2-Verbrauch ist das Einkommen: Mehr Einkommen fließt allzu oft in schwerere Autos, größere Wohnungen und häufigere Flugreisen. (vgl. Umweltbundesamt)
  • Im Sinne der Klimagerechtigkeit bedarf es Limits und Obergrenzen: Es darf nicht möglich sein, dass sich Unternehmen und Vermögende aus Klimaschutzmaßnahmen heraus kaufen.
  • Verhältnisse ändern statt Verhaltensänderung abfordern: Schrittweise Erhöhung von Standards und Normen ist sozial gerechter und leichter umzusetzen als die Erhebung von Steuern – sowohl bei Unternehmen als auch bei Bürger*innen. (vgl. Michael Kopatz)
  • Übersehen und unterschätzt: der Rebound-Effekt. Das schnellere Auto wird nicht dazu genutzt, früher am Reiseziel zu sein, sondern um weiter weg zu fahren. Ist auf alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche übertragbar. Kostet Unmengen an Ressourcen, Energie und CO2.
  • Wir brauchen eine umfassende Mobilitätswende: Mehr ÖPNV, mehr Fahrrad, mehr Carsharing, insbesondere in den Städten. Mehr Platz für die Lebenswerte Stadt. Mehr Schiene, weniger Lkw. Es gibt kein Grundrecht auf einen eigenen Pkw – es gibt nur eines auf gesellschaftliche Teilhabe, u.a. durch Mobilität.
  • Die Energiewende steht in D noch ganz am Anfang: Rund 40% des Stromes wird grün produziert. Aber nur etwa 17% des Gesamtenergiebedarfs stammen derzeit aus Erneuerbaren Energien.
  • 1 Windkraftanlage ermöglicht synthetisches Kerosin für 71/3 vollbesetzte A320-Flüge Hin/Rück HAM-LIS pro Jahr; 2018 sind 122,6 Mio Menschen in D mit einem Flugzeug gestartet: ‚Grünes Fliegen‘ wird nur sehr begrenzt möglich sein, künftiger Massenflugtourismus ist – bis auf weiteres – eine Illusion.
  • Global gesehen ernähren Kleinbauern die Welt. Wir brauchen eine massive Agrarwende: Humusaufbauende regenerative Agrarkultur kann die Welt ernähren – und CO2 aus der Atmosphäre ziehen. Industrielle Landwirtschaft trägt stark zur Erderwärmung bei und zerstört die Böden – und gefährdet die Ernährungssicherheit.
  • Im Jahre 2100 werden etwa 11 Mrd Menschen auf der Erde leben. Das ist eine Menge, aber die gute Nachricht lautet: Mehr werden es nicht. Und die zweite gute Nachricht lautet: Es ist schon jetzt genug Nahrung für 11 Mrd Menschen da. (Das klappt aber nur, wenn es nicht zur ganz großen Klimakatastrophe kommt.)
  • „Jeder, der glaubt, exponentielles Wachstum kann andauernd weitergehen in einer endlichen Welt, ist entweder ein Verrückter oder ein Ökonom.“ (Kenneth E. Boulding) – Es gibt viele gute Ideen zu Postwachstumsökonomien. Auch der Kapitalismus wurde nicht am Reißbrett entwickelt.
  • Durch Künstliche Intelligenz werden schon bald viele Arbeitsplätze wegfallen. Das Bedingungslose Grundeinkommen wird daher kommen – und kann nicht durch die verbliebenen Arbeitsplätze finanziert werden. Besteuert wird, was unerwünscht ist: CO2, der Verbrauch von Ressourcen – und der Nano-Sekundenhandel per Mikrosteuer.
  • „Es ist billiger, den Planeten jetzt zu schützen, als ihn später zu reparieren.“ (José Barroso) – Der Satz ist eingängig, doch reden wir über eine Existenzbedrohung für die Zivilisation. Und hier wird die Argumentation mit Geld unsinnvoll.
  • Etwa die Hälfte des Kohlenstoffdioxids, das die Menschheit jemals in die Atmosphäre geblasen hat, wurde in den vergangenen dreißig Jahren ausgestoßen. Es ist erst der global verbreitete wachstumswirtschaftliche Kapitalismus, also eine historisch extrem junge Wirtschaftsform, der die gigantischen Zerstörungswirkungen entfaltet. Die Taktik ‚Mehr vom Gleichen‘ führt ins Aus.
  • Wenn also unsere Wirtschaft nur ‚brummt‘, wenn Überfluss gelebt wird – und wenn wir diesen Überfluss loszulassen haben, um die Chance auf einen grundlegenden Wohlstand zu erhalten, folgt daraus logisch, dass wir unser Wirtschaftssystem u. unser Geldsystem hin zu einem weniger wachstumsorientierten Modell zu verändern haben.
  • Die Finanzmärkte bzw. die Börse sind zum Casino verkommen, in dem u.a. auf Lebensmittel gewettet wird. Eine Finanztransaktionssteuer sowie die Wiedereinführung der Regel, dass ein Derivat nur erwerben kann, wer das Grundgeschäft getätigt hat, bremsen den Nano-Sekundenhandel runter auf ein ‚menschliches Maß‘.
  • Das ‚Shareholder Value‘-Prinzip ist antisozial: Es verlangt auf Kosten von Gesellschaft, Menschen und Umwelt Gewinnmaximierung ‚um jeden Preis‘ zu Gunsten weniger Menschen, namentlich der Aktionärinnen und Aktionäre. – Wirtschaft hat aber „zugleich dem Wohle der Allgemeinheit zu dienen“ (GG Art. 14 Abs. 2).
  • Freihandelsabkommen garantieren ‚Investitionsschutz‘ von Unternehmen. Will ein Staat mehr Klimaschutz, wird er u.U. von einem privaten Schiedsgericht zu hohen Schadensersatz verpflichtet. Das kostet Zeit, die wir nicht haben.
  • Unser derzeitiges Wirtschaftsmodell fußt auf der Externalisierung von Kosten: Gewinne gehören Wenigen, ökologische Schäden etc. tragen Alle. Eine Internalisierung aller Kosten würde die gesamte Wirtschaft auf den Kopf stellen. Kein Atomkraftwerk wäre jemals gebaut worden. Wir brauchen: Preiswahrheit.
  • Wesentliche Basis allen künftigen Wirtschaftens kann das bewährte Genossenschaftsmodell sein.
  • Physik schlägt Politik – daher gilt: Wir haben uns am wissenschaftlich Erforderlichen zu orientieren, nicht am vorgeblich politisch Machbaren. Das kann ein Leitfaden sein, an den wir uns selbst und vor allem die Politik immer und ständig erinnern sollten.
  • Jede Subvention, die heute in die falsche Richtung investiert wird, richtet 3x Schaden an: Das Geld festigt den Status quo, fehlt zur Gestaltung der Zukunft und richtet einen später zusätzlich zu bezahlenden Umwelt-/Klimaschaden an.
  • Es gilt das Vorsorgeprinzip, das ‚Backcasting‘ erfordert: Es gilt, vom gewünschten Resultat her zu denken und auf dieser Basis die notwendigen Schritte detailliert zu planen und umzusetzen.
  • Hitze kann man nicht wirklich ausweichen. Irgendwann muss jede*r mal raus.
  • Der Klimawandel ist die größte Bedrohung für die globale Gesundheit des 21. Jahrhunderts: Hitzewellen, Allergien, Tropenkrankheiten in Nordeuropa, Gefährdung von Kindern, Konflikte, Hunger.
  • Wir haben uns klar zu machen, dass die Nahrungskette bzw. die Biodiversität auf dieser Welt einem engmaschigen Netz gleicht. Jedes Lebewesen – ob Tier, Pilz oder Pflanze –, das ausstirbt oder zahlenmäßig nicht mehr relevant vorhanden ist, repräsentiert eine durchgeschnittene Masche des Netzes. Es wird grobmaschiger, instabiler – und irgendwann reißt es an einigen und immer mehr Stellen; und Lebewesen sterben vermehrt aus, weil ihre Nahrung/Lebensumgebung ausstirbt, was dazu führt, dass andere Pflanzen nicht mehr bestäubt werden oder andere Tiere keine Nahrung mehr finden… Dieses Netz trägt uns, einer Hängematte gleich – und wir sind: schwer.
  • „Menschen pumpen heute zehnmal schneller Treibhausgase in die Atmosphäre als die Vulkane während des Großen Sterbens“ (J.S. Foer). Heute existieren ¾ weniger Insekten in den Naturschutzgebieten in D als vor 30 Jahren (Krefelder Studie). „70% unserer Nahrung hängt direkt von der Bestäubung durch Bienen und andere Insekten ab“ (Gonstalla).
  • Wir erhalten durch die Zwillingskrise Klima/Massenaussterben prinzipiell die Chance, die Welt neu zu denken, den überdrehten Finanzialismus-Shareholder-Value-Turbokapitalismus einzudämmen und den Menschen bzw. das Leben – und nicht das (wie es zurzeit ‚funktioniert‘: zerstörerische) Geld – in den Mittelpunkt unseres Daseins zu stellen: Es kann endlich anders weitergehen, weil es anders weitergehen muss, wenn es weitergehen soll.
  • Es ist die Frage aufzuwerfen: Wie wollen wir eigentlich zusammenleben in einer Welt, die zunehmend unter dem Zeichen des Klimawandels und des sechsten Massenaussterbens steht?


Pendzich, Marc (2020): Handbuch Klimakrise – Die relevanten Fakten, Zahlen und Argumente zur großen Transformation, als Buch und E-Book bei BoD sowie als Website: https://www.handbuch-klimakrise.de


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