Wir sind Erde.


Grundlegende Gedanken zur Klimakrise.

Der große Irrtum vieler Menschen, besonders der Bewohner*innen der Industrienationen:

Wir sind nicht die Herrscher der Erde, wir unterliegen den Gesetzen der Natur, wir sind Teil der Erde: Wir sind Erde.

oder in den Worten von Naomi Klein:

  • „Stop pretending we can control nature and start acting like we are nature.“ (2015b)

Damit ist im Grunde genommen alles gesagt.


Hinzufügen kann man noch…

… die Worte von Papst Franziskus, der 2015 mit der Laudato si‘ ein äußerst fundiertes Buch über die Klimakrise veröffentlicht hat:

„Wenn wir die Schöpfung [Natur] zerstören, wird die Schöpfung [Natur] uns zerstören.“

>> Papst Franziskus bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz am 21. Mai 2014. Papst Franziskus ist Verfasser der Umweltenzyklika Laudato si‘ (2015), in der er deutlichst zum Kampf für den Klimaschutz und für die Klimagerechtigkeit aufruft. Ebenso agiert er in der 2018er Kino-Dokumentation Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes vom Wim Wenders, die über weite Strecken als bildgewaltige Klimakrisen-Doku daherkommt.


Anders als alle bisherigen Weltkrisen stellt die Klimakrise unser Wirtschaftssystem samt vorgeblichem Wachstumszwang und unseren gesamten westlichen Lebensstil insgesamt in Frage.

Und es ist nicht nur die Klimakrise, die uns beschäftigt: Hinzu kommt das nicht weniger existenzbedrohende, ebenso dramatische sechste Massenaussterben (vgl. Baier 2019).


Die Soziologin Anita Engels über Gründe für die Härte, mit der die Debatte rund um Klimakrise und Massenaussterben geführt wird:

  • „Man darf nicht vergessen, was auf dem Spiel steht. Wirtschaftliches Wachstum basiert in der Industriegesellschaft, wie wir sie kennen, auf dem unbegrenzten Gebrauch fossiler Brennstoffe. Jedes politische Bemühen, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren, berührt nicht nur viele Interessen, sondern fordert unser gesamtes Wohlstands-Modell heraus“ (Täubner 2019).


Letzteres drückt Naomi Klein anders aus:

  • „Was unser Klima braucht, um nicht zu kollabieren, ist ein Rückgang des Ressourcenverbrauchs durch den Menschen; was unser Wirtschaftsmodell fordert, um nicht zu kollabieren, ist ungehinderte Expansion.

Nur eines dieser Regelsysteme lässt sich verändern – und das sind nicht die Naturgesetze.“ (2015a)

>> Zum Thema ‚Wachstum‘ s.a. Abschnitt Glaubenssätze dechiffriert: Von ‚Wachstumszwängen‘ und anderen Glaubenssätzen, S. 379ff.


Unser grundlegende Herausforderung:

Wir haben – endlich – anzuerkennen, dass die Natur nicht mit sich handeln lässt. Übrigens: Die Natur kennt uns gar nicht.

Letzteres ist ein Gedanke von Harald Lesch (Astrophysiker, Naturphilosoph, Wissenschaftsjournalist und Fernsehmoderator), hier noch einmal ausführlich als Zitat:

  • „Die Natur lässt nicht mit sich verhandeln. Ich glaube, dass es ein ganz, ganz großer Fehler ist, zu glauben, man könne mit der Natur irgendwelche Geschäfte machen, irgendwelche Deals, so DitFürDat-Geschäfte – ‚da geht doch noch irgendwas‘ oder so was. Das tut mir leid: Die Natur kennt uns gar nicht. … Ihr ist es völlig egal. … Es handelt sich tatsächlich darum, anzuerkennen, dass es eine absolute Größe im Hintergrund gibt und die wird sich auch nicht ökonomischen Zielen irgendwie zuwenden“ (2016).


Luisa Neubauer schrumpft diese Aussage auf einen Satz zusammen:

  • „Bei der Klimakrise reden wir über Physik und die ist nicht verhandelbar“ (2019).


Es ist, in den Worten von Pierre Rabhi, …

… Zeit für einen Perspektivwechsel:

„Unser Planet ist eine wunderbare Oase inmitten unbelebter Sterne, in der das Leben herrlich ist: ein wahres Wunder eben.“

>> Pierre Rabhi (*1938), französischer Schriftsteller, Landwirt und Umweltschützer über das ‚Raumschiff Erde‘, „diese blaue Mur-mel in ihrer Zartheit und Zerbrechlichkeit“ (Klein 2015a, 347). Autor von Manifest für Mensch und Erde äußert sich mit diesen Worten im Interview in der Doku Tomorrow. Die Welt ist voller Lösungen von Mélanie Laurent und Cyril Dion, 2016.


Ergo:

Wir haben uns künftig als Gast der Oase ‚Erde‘ zu begreifen – denn, was macht man mit Gästen, die sich dauerhaft nicht angemessen benehmen? Man schmeißt sie raus.

Die Natur hat uns schon vorgemerkt.

Per Naturgesetz.


Quellen des Abschnitts Wir sind Erde



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