Ohnmachtsgefühle & erlernte Hilflosigkeit: Klimakrisen-Depression


Klimawoche (2020): „Corona und Klima: Was wir wirtschaftlich und gesellschaftlich verändern müssen“. in: Hamburger Klimawoche, 25.9.2020, online unter https://www.youtube.com/watch?v=jeNuHttfMRw (Abrufdatum 29.9.2020)

„Zukunft ist nichts, was bloß vom Himmel fällt. Nicht, das einfach nur so passiert.
Sie ist in vielen Teilen das Ergebnis unserer Entscheidungen.“

>> Göpel 2020, 14. Auf der Klimawoche 2020 in Hamburg wählte Göpel etwas andere Worte: „Wir reden immer so komisch ‚Zukunft kommt auf uns zu‘. Das stimmt ja nicht; sondern ein großer Teil von dem was Zukunft ist, ist die Konsequenz unserer Entscheidungen heute“ (Min 28).


Immer wieder begegne ich Aussagen der Hilfs-, Hoffnungs- und Machtlosigkeit.

Dazu ist zu sagen, dass

  • es zurzeit noch nicht zu spät ist, einen sog. gefährlichen Klimawandel abzuwenden (vgl. Abschnitt Intro S. 29 inkl. Fußnote),
  • der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber seinen Nachkommen durchaus empfiehlt, Kinder zu bekommen (vgl. Schellnhuber/Precht 2019),
  • wir unsere persönliche Macht und Ausstrahlung chronisch unterschätzen,
  • das vorschnelles Aufgeben fatalistisch ist und auf depressive Verstimmungen hindeutet und
  • ohnehin Aufgeben niemals eine Option ist – denn…


 Es gilt:

„Es erscheint immer unmöglich, bis es vollbracht ist.“

Nelson Mandela zugeschrieben.


und:

„You’re never too small to make a difference.“

Greta Thunberg, schwedische Klimaaktivistin, bei der Klimakonferenz in Kattowice, Dezember 2018.


und auch Folgendes sollten wir auf der Reihe haben:

„Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.“

Molière zugeschrieben, anders ausgedrückt: Man kann nicht Nicht-Handeln.

>> Erich Kästner ließ uns in Das fliegende Klassenzimmer im Jahre1933 (!) über den Deutschlehrer Professor Kreuzkamm wissen:
„An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die Schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern“ (95).

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Audrey Hepburn setzte sich in ihrer zweiten Lebenshälfte intensiv für diverse humanitäre Projekte ein und fungierte ab 1988 als Sonderbotschafterin für Unicef. Von ihr stammt der Satz: „Ich glaube nicht an Kollektivschuld. Aber ich glaube an Kollektivverantwortung“ (zit. in Klimaschutz Baustelle, o.J.)

Hans Joachim Schellnhuber:

„Das Argument, dass ich allein nichts ausrichten kann, ist natürlich die allertörichteste aller Schutzbehauptungen.“ (Haaf 2019)

Warum?

  • „Na, stellen Sie sich vor, Sie sagten Ihren Kollegen, Sie kämen auf absehbare Zeit nicht mehr in die Arbeit, weil der Einzelne ohnehin keinen Unterschied machen würde! Jeder Ozean besteht aus einzelnen Tropfen, und so ist es auch mit der Gesellschaft“ (ebd.).


Gleichwohl tut die Beschäftigung mit der Klimakrise und dem sechsten Massenaussterben weh. Natürlich. Wie sollte es anders sein? Niemand hat je behauptet, dass das Leben einfach ist. Aber:

  • „In Konfrontation mit unserem Klimadilemma habe ich gelernt, dass es keine Möglichkeit gibt, der Verzweiflung zu entkommen. Aber offenbar gibt es ein Weg durch die Verzweiflung: Liebe.“ (XR Handbuch: Bendell 2019, 88)


Neubauer und Repenning greifen in diesem Zusammenhang einige Gedanken des Philosophen Günther Anders auf, „der, unter dem Eindruck eines möglichen Atomkrieges, den ‚Mut zur Angst‘ gefordert hat“ (2019, 140) und „über den richtigen Umgang mit der Angst, wenn man so weit gekommen ist und den Mut aufgebracht hat, sie zuzulassen“ (Lassahn 2011) nachdachte. Er schrieb u.a. über „[E]ine liebende Angst, die sich um die Welt ängstigen soll, nicht nur vor dem, was uns [persönlich] zustoßen könnte“ (Neubauer/Repenning 2019, 140).


Ich setzte meinen Fuß in die Luft, und sie trug.
Hilde Domin

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Hilde Domin (1909-2006), deutsche Lyrikern. „Wegen ihrer jüdischen Herkunft musste sie [ab 1932] immer wieder alle Sicherheiten aufgeben und von vorn beginnen… Was ihr … half, war die Zuversicht, dass ihr das Leben immer wieder aus dem Nichts ein Brücke bauen wurde – ‚mit nur einer Rose als Stütze‘, wie der Titel ihres erstes Gedichtbandes lautete“ (Schnabel 2018, 132).

Generell können wir mit unseren Ängsten umgehen, indem wir ihnen proaktiv begegnen, d.h. uns ihnen stellen. Die indische Philosoph Jiddu Krishnamurti bemerkt dazu:

  • „Und falls Sie sich dem stellen, was ist, es ansehen, sich darauf einlassen, obwohl es Ihnen Leiden bringt, und es verstehen, dann werden Sie feststellen, dass Ihr Geist außergewöhnlich einfach und klar wird; und in genau dieser Klarheit liegt das Aufhören der Furcht“ (1964,189).


Naomi Klein fragt sich ebenfalls, wie

  • „wir mit dieser Angst umgehen [sollen], die daher kommt, dass wir auf einem sterbenden Planeten leben, der jeden Tag unbewohnbarer wird? Zunächst einmal: akzeptieren, dass sie nicht mehr verschwinden wird… Und dann müssen wir sie benutzen. Angst ist eine Überlebensreaktion… Aber wir müssen ein Ziel haben, wohin wir rennen können“ (2015, 42).

Zu einem vergleichbaren Ergebnis kommen auch der Philosoph und Extinction Rebell Rupert Read und der Umweltökonom Samuel Alexander in ihrem 2020 erschienenen Buch Diese Zivilisation ist gescheitert:

  • „Gedankliche Klarheit hat einen therapeutischen, einen befreienden Effekt. Wer sich nichts vormacht, wer ‚das Verhängnis, das uns umgibt‘, nicht leugnet, wird handlungsfähig“ (Wenzel 2020).
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Hans Joachim Schellnhuber hat einmal gesagt: „Die Unschuld der Unwissenheit ging irgendwann verloren. Wer vom Baum der Erkenntnis gegessen hat, muss das Paradies verlassen. Schon bald bin ich aus meinem Paradies vertrieben worden“ (zit. in Höhne 2020). Ein weiterer Fingerzeig, dass die Wahrheit wehtut – ich frage mich indes, ob das Paradies wirklich noch als solches empfunden wird, wenn man vor allem deshalb wenig weiß, weil man dem Wissen aus dem Weg geht, weil man latent um die Wahrheit Bescheid weiß: Kann das Paradies noch ein Paradies sein, wenn man ahnt/weiß, dass man sich in die Tasche lügt?

Auch die 2019er ‚Erklärung der Rebellion‘ von Extinction Rebellion greift diesen Gedanken auf, ergänzt um den Aspekt der absoluten Gewaltfreiheit. Die ‚Erklärung‘ zitiert die Umweltaktivistin und Buddhistin Joana Macy (*1929):

  • Radikale Gewaltfreiheit ist die Entscheidung, im Angesicht von Angst aus Liebe zu handeln. Der erste Schritt ist, uns auf Fürsorge und Mitgefühl zu besinnen. Wenn du angesichts des Klimakollaps‘ Verzweiflung spürst, ist das ein Zeichen davon, dass etwas bedroht ist, das dir am Herzen liegt“ (zit. in Ebenhöh 2019, 135).


Gedankliche Klarheit und eine ebenso deutliche Entscheidung begünstigen eine widerständische innere Haltung.

Wolfgang Hubert, Professor für Ethik, den die Zeit als einen „der streitbarsten Kirchenmänner Deutschlands“ bezeichnet, meint dazu:

  • „Widerstand [ist] eine innere Haltung… Sie setzt voraus, dass ich bereit bin, zu dem zu stehen, was ich als wichtig erkannt habe. Dass ich auch öffentlich dafür eintrete. Und dass ich bereit bin, Risiken in Kauf zu nehmen“ (2019, 72).

Weder „stählernde[r] Optimismus“ (Schnabel 2018, 16), der oft kontraproduktiv sein kann, noch passiv-machender Pessimismus helfen uns weiter. Ulrich Schnabel hat 2018 ein hier weiterführendes Buch verfasst: Zuversicht – Die Kraft der inneren Freiheit und warum sie heute wichtiger ist denn je.

Um die Unterschiede der drei genannten Begriffe zu illustrieren, bedient er sich der ‚Parabel von den drei Fröschen‘:

  • „Der Pessimist denkt: ‚O je, wir sind verloren, jetzt gibt es keine Rettung mehr.‘ Sagt’s und ertrinkt. Der Optimist hingegen gibt sich unerschütterlich: ‚Keine Sorge, nichts ist verloren. Am Ende wird Gott uns retten.‘ Er wartet und wartet und ertrinkt schließlich ebenso klang- und sanglos wie der Erste. Der dritte, zuversichtliche Frosch hingegen sagt sich: ‚Schwierige Lage, da bleibt mir nichts anderes übrig, als zu strampeln.‘ Er reckt also den Kopf über die Milchoberfläche und strampelt und strampelt – bis die Milch zu Butter wird und er sich mit einem Sprung aus dem Topf retten kann“ (ebd., 16).
  • „Zuversicht heißt also nicht, illusionäre Hoffnungen zu hegen, sondern einen klaren Blick für den Ernst der Lage zu behalten; zugleich heißt Zuversicht aber auch, sich nicht lähmen zu lassen, sondern die Spielräume zu nutzen, die sich auftun – und seien sie noch so klein“ (ebd.).

Luisa Neubauer und ihr Mitautor Alexander Repenning definieren sich als Possibilisten1 und zitieren dazu Jakob von Uexküll, den Begründer des Right Livelihood Award, d.h. des sog. alternativen Nobelpreises, mit dem 2019 Greta Thunberg und ein Jahr zuvor Yacouba Sawadogo (vgl. S. 470) ausgezeichnet wurde:

  • „Der Possibilist… sieht die Möglichkeiten, und es hängt von jedem von uns ab, ob sie verwirklicht werden“ (zit. in Neubauer/Repenning 2019, 24).
  • „Possibilismus heißt: die Ärmel hochkrempeln. Während Pessimist*innen schnell in einen ebenso lähmenden wie selbstmitleidigen Fatalismus verfallen, und während es sich Optimist*innen in der Erwartung einer rosigen Zukunft bequem machen, werden wir Possibilist*innen aktiv. Solange eine, und sei es noch so kleine Chance auf ein besseres Morgen besteht, sollten wir heute alles daransetzen, sie zu nutzen. Es ist unbequem, Possibilist*in zu sein, es ist anstrengend, anzupacken. Das unterscheidet uns sowohl von Optimist*innen als auch von Pessimist*innen: Wir wissen, dass eine andere Zukunft möglich ist, aber wir wissen auch, dass wir sie nicht geschenkt bekommen“ (ebd., 25-26).
  • Possibilist*in sein bedeutet, den eigenen Möglichkeitssinn zu schulen.
Details: Erläuterungen zu (1)

1 vgl. englisch ‚possible‘ = möglich/Möglichkeit; Hans Rosling nimmt für sich in Anspruch den Begriff ‚Possibilist‘ erfunden zu haben und definiert ihn wie folgt: „Er bezeichnet einen Menschen, der weder unbegründeten Hoffnungen anhängt noch sich durch unbegründete Befürchtungen ängstigen lässt, einen Menschen, der sich konstant der überdramatisierten Welt widersetzt“ (2018, 88). Zur medialen Überdramatisierung siehe Abschnitt Glaubenssätze dechiffriert: Von ‚Wachstumszwängen‘ und anderen Glaubenssätzen Aspekt Zeitungen und Nachrichten bilden folglich nicht einmal ansatzweise die Realität ab, S. 381f.

Der Psychotherapeut und Experte für Angsterkrankungen, Dietmar Hansch, äußert sich zur Frage nach der großen Furcht vor Veränderungen von Menschen bzw. der Furcht „davor etwas grundsätzlich im Leben umzustoßen“ (2020, 75):

  • „Menschen sind aber auch sehr schlecht darin, ihre emotionale Befindlichkeit vorauszusagen. Und unsere Adaptionsfähigkeit ist enorm: Die meisten werden nicht unglücklicher, selbst wenn sie aus einem Haus in eine kleine Wohnung ziehen müssen, auch wenn sie das vorher als Katastrophe imaginieren. Wahrscheinlich haben sie dann weniger Arbeit und weniger Stress. Denn das, von dem wir meinen, dass es uns glücklich macht, macht uns am Ende nicht so glücklich wie wir dachten. Und das vor dem wir uns fürchten, macht uns nicht so unglücklich wie erwartet. Unsere Lebenszufriedenheit pendelt sich meist immer wieder in einer Mittellage ein. Also: weniger Angst vor Veränderung“ (ebd., 76).


Was ich nicht in der Hand habe, lasse ich los.


Das Schrifttum von Albert Schweitzer (1875-1965), welches maßgeblich durch die beiden Weltkriege und die atomare Bedrohung des Kalten Krieges sowie von seinen Erfahrungen als Arzt in Afrika geprägt ist, liest sich über weite Strecken, als wäre es für die heutige Situation verfasst. Er entwickelte als Antwort auf die Misere der Menschheit und des Planeten die Forderung bzw. die grundlegende Lebenshaltung der Ehrfurcht vor dem Leben. Vor allem Leben: „Es ging mir auf, daß die Ethik, die nur mit unserem Verhältnis zu den anderen Menschen zu tun hat [– wie bis dahin seit Jahrtausenden unter Philosoph*innen üblich –], unvollständig ist und darum nicht die völlige Energie besitzen kann (1963, 20). „Die fundamentale Tatsache des Bewußtseins des Menschen lautet: ‚Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.‘ Der denkend gewordene Menschen erlebt die Nötigung, allem Willen zum Leben die gleiche Ehrfurcht vor dem Leben entgegenzubringen, wie dem seinen“ (ebd., 21). „Durch die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben gelangen wir in ein geistiges Verhältnis zum Universum. Die Verinnerlichung, die wir durch sie erlebten, verleiht uns den Willen und die Fähigkeit, eine geistige, ethische Kultur zu schaffen, durch die wir in einer höheren Weise als der bisherigen in der Welt daheim sind und in ihr wirken. Durch die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben werden wir andere Menschen“ (ebd., 21). „Wir müssen uns von dem gedankenlosen Dahinleben frei machen“ (22). „Mag das Wort Ehrfurcht vor dem Leben als sehr allgemein etwas unlebendig klingen, so ist doch das, was damit bezeichnet wird, etwas, das den Menschen, in dessen Gedanken es einmal aufgetreten ist, nicht mehr losläßt. Mitleid, Liebe und überhaupt alles wertvoll Enthusiastische sind in ihm gegeben… Wie die durch die Wasser wühlende Schraube das Schiff, so treibt die Ehrfurcht vor dem Leben den Menschen an. [Es geht um die] Hingebung an Leben“ (1923, 38). „Ethisch ist [– der Mensch –] nur, wenn ihm das Leben als solches heilig ist, das der Menschen und das aller Kreatur [inkl. der Pflanzenwelt]. Nur die Ethik des Erlebens der ins Grenzenlose erweiterten Verantwortung gegen alles, was lebt, läßt sich im Denken begründen“ (1963, 22). „Eine neue Renaissance muß kommen, viel größer als die, in der wir aus dem Mittelalter herausschritten: die große Renaissance, in der die Menschheit dazu gelangt, von dem armseligen Wirklichkeitssinn, in dem sie dahinlebt, zur … [Haltung] der Ehrfurcht vor dem Leben fortzuschreiten“ (23).

Nun, auf diese Weise gedanklich eingebettet in das Leben – auch im Sinne von Franziskus von Assisi (1182-1226) – kann es sehr sinnstiftend sein, über sich selbst hinaus zu denken und als Teil des Wunder ‚Leben‘ zu handeln.

>> weitere mögliche Leitlinien und ethische Grundsätze, an die man sich z.B. in den Zeiten der Klimakrise halten kann siehe LebeLieberLangsam: https://basics.lebelieberlangsam.de/leitlinien-und-aphorismen
>> s.a. Ausführungen von Hartmut Rosa zum Thema ‚Resonanz‘ und die Anmerkungen von Gerhard Reese zur Sichtweise einer ‚Globalen Identität‘, S. 388f.


Aber wenn uns nun eine Klimakrisen-Depression erwischt hat, was dann?

Dies ist keine therapeutisches oder eine durch eine Ärztin bzw. einen Arzt oder eine Therapeutin oder einen Therapeuten verfasstes Buch, daher kann und möchte ich lediglich kurz und knapp nachfolgend auf zwei Websites, die hier über Zitate anmoderiert werden, verweisen:

  • „Aktives Handeln sei laut Psychotherapeutin Anke Glaßmeyer die beste Lösung [gegen Klimaangst]. Besonders in Situationen, in denen es wenig Hoffnung gibt, sei es wichtig, die eigene Kontrolle zurückzugewinnen. ‚Die Patientinnen [sic!] müssen selbst aktiv werden und ins Handeln kommen, um zu merken, dass sie etwas gegen ihre Hoffnungslosigkeit tun können.‘ Dabei gehe es nicht darum, zu belehren, sondern auf sich selber zu achten und so einen positiven Impuls für andere zu schaffen. Trotzdem sei es okay, sich an manchen Tagen schlecht zu fühlen. Wichtig sei es laut Anke, sich darin nicht zu verlieren und sich mit anderen auszutauschen. Das gebe ebenfalls Hoffnung“ (Wittenberg 2019).[1]

>> https://www.bento.de/gefuehle/klimawandel-wie-mit-klimaangst-umgehen-zwischen-depression-und-angst-a-4f8e32c7-ea49-4644-a611-3baf714e7c73#refsponi/ (Abrufdatum 11.9.2020)


Hier geht es also um das Thema ‚Selbstwirksamkeit‘.

Siehe auch Website „Klima-Angst – Alles rund um deine mentale Gesundheit im Klimawandel“ sowie diesen Instagram-Beitrag der gleichen Autor*innen:

  • „Heute [am 20. September 2019] ist ein wichtiger Tag für bzw. eher gegen deine Klima-Angst. Es ist internationaler Klimastreik und an kaum einem anderen Tag wirst du die heilsame Kraft der Gruppenzugehörigkeit so stark spüren wie heute. Mit zigtausend Gleichgesinnten zu rebellieren ist Balsam für unsere geschundenen Seelen. Der Effekt auf deine Psyche ist auch da, selbst wenn du nicht denkst, dass wir heute viel bewegen. Also hol dir deine Portion positiver Gruppenbestätigung. Du wirst mit dem guten Gefühl, es wenigstens versucht zu haben, nach Hause gehen“ (instagram 2019).

>> https://www.instagram.com/p/B2n_g68ohQI/?utm_source=ig_embed&utm_campaign=loading/
>> https://www.instagram.com/klimaangst/ | https://klima-angst.de/(Abrufdatum 11.9.2020)

Wenn es schlimm ist: Im Zweifelsfall empfehle ich Ihnen, eine Ärztin/einen Arzt oder eine Therapeutin/einen Therapeuten aufzusuchen: Sie würden dort garantiert nicht die/der Erste sein mit diesem Thema. Niemand von uns ist allein mit diesem Thema – es ist derart relevant, dass es schon Begriffe dafür gibt: Mit „‚Solastalgia‘ … [gibt es immerhin schon ein] englische[s] Wort für psychischen Stress, den die Klimawandelfolgen auslösen“ (Schneider 2020). In den USA ist mittlerweile von der ‚climate change grief‘ (‚Klimawandel-Trauer‘) die Rede (vgl. Mast 2020). Auch wird laut obiger Webpage von Lucie Wittenberg bereits versucht, ‚eco-anxiety‘ zu einer offiziellen Krankheit zu erklären.


Vorangehen…

…lohnt sich aus vielen Gründen – auch aus dem Folgenden: Eine persönliche Anpassung des eigenen Lebens an die Klimakrise ist ohnehin erforderlich. Early Adopters haben es gewöhnlich leichter, weil sie sich aktiv und in einem selbstverantworteten Tempo anpassen. Man vermeidet, gezwungenermaßen und abrupt angepasst zu werden.

Details: Erläuterungen zu (1)

1 Im Zusammenhang mit Covid-19 stellt die Psychotherapeutin Natalia Erazo fest: „Das psychische Leid rückt bei manchen etwas aus dem Zentrum des Erlebens … Es gibt nun Konkretes zu besprechen, zu organisieren, zu erschaffen“ (zit. in Dribusch 2020, 13) – auch hier geht es letztlich um Selbstwirksamkeit. Paech weist ebenfalls darauf hin, dass „[e]ine andere Konsequenz hochverdichteter Lebensstile … im Verlust von Selbstwirksamkeit besteht“ (2020, 152).


Quellen des Abschnitts Ohnmachtsgefühle & erlernte Hilflosigkeit: Klimakrisen-Depression



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